wir haben es geschafft – wir haben das nordkap erreicht! aber es war eine tortur. lassen wir den tag nochmal revue passieren.

gestartet sind wir 85 km vor dem kap, in repvæg. zusammen mit jan, sind wir bei leichtem regen losgefahren – ein kleiner vorgeschmack auf das was noch kommen sollte. unser 1. ziel war honningsvåg, 31 km vor dem kap. die noerdlichste stadt der welt (obwohl sich diesen titel mehrere orte teilen). auf dem weg dort hin, mussten wir durch den knapp 7 km langen nordkaptunnel, welcher das festland mit der insel magerøya verbindet (der insel wo das nordkap liegt). der tunnel geht 3 km berg ab, 1 km gerade aus und wieder 3 km berg auf, bei einer steigung von 9 – 10 %. gepaart mit schlechter beleuchtung, eisiger kaelte und vorbeifahrenden autos, die sich durch den hall wie grollende zuege anhoerten, war dieser tunnel schon besonders herausfordernd – aber nur ein vorgeschmack auf das was noch kommen sollte…

nach einem 2., etwas kuerzeren tunnel, erreichten wir honningsvåg. dort verabschiedeten wir dann auch jan, der weiter richtung kap fuhr. der niesel war mittlerweile in dauerregen uebergegangen. den gedanken, dass kap bei sonennschein zu erreichen schwand immer mehr. 15 uhr haben wir im hostel eingecheckt. dort teilte uns ein niederlaendisches paerchen mit, dass sie oefters groessere radtouren machten und auch schon 5 mal ueber die pyrinaeen gefahren sind, aber diese letzten 30 km zum nordkap, seien bis jetzt das anstrengeste gewesen was sie erlebt haben… 

6 stunden spaeter (wind und regen hatten weiter zugenommen), starteten wir dann endlich in die finale etappe zu unserem grossen ziel. und wir koennen sagen, die niederlaender hatten recht!  nach ca. 3km begannen enorme steigungen von 10 % und mehr. was uns in der stadt noch wie starker wind vorkam, entpuppte sich auf den ersten bergen als handfester sturm. im leichtesten gang krepelten wir uns langsam nach oben. irgendwann waren wir dann in den wolken. die sichtweite betrug hier keine 100 meter mehr. ein zusaetzliches problem waren die vielen reisebusse. im hafen von honningsvåg lag die queen mary 2 und zwei andere riesige kreuzfahrtliner. die busse fuhren also im minutentakt. fahrtwind und gischt erschwerten das fahren auf der teils sehr schmalen und seitlich steil abfallenden strasse. es waren mit abstand die haertesten 30 km unserer tour. der kopf sagte schon lange „nein“, nur die beine strampelten monoton weiter. durchnaesst bis auf die knochen, mit steif gefrorenen haenden und fuessen, tauchten vor uns ploetzlich unzaehlige wohnwagen, pkw`s und busse auf – der parkplatz am nordkap. wir waren endlich da! nachdem man uns noch 280 norwegische kronen abgeknoepft hat, stellten wir unsere raeder ab und betraten die heiligen touristenhallen der geldmaschine nordkap. erst hier wurde deutlich was fuer ein geld mit diesem aussichtspunkt gemacht wird. hunderte touris erleichterten ihre bankkonten. ausgeruht, vollgefressen in warmen und trockenen bussen die berge hochverfrachtet, stolzierten sie mit einem zufriedenen laecheln umher – und mittendrin standen wir 2 – nass, zittrig und mit sodaflaschen anstossend, weil es im ort auf`n sonntag kein bier mehr zu kaufen gab. fotos vor der weltkugel zu schiessen, war dann auch mehr krampf als genuss. so sind es auch keine kunstwerke geworden, aber als beweis, dass wir da waren, reichen sie alle mal.

nach einer knappen halben stunde war unser aufenthalt am nordkap beendet. dann kamen die 31 km zurueck ins tal, nach honningsvåg…

kurz nach 2 uhr sind wir beide mit 15 minuten unterschied (rueckzu ist jeder sein tempo gefahren) wieder im hostel eingetrudelt – total fertig aber gluecklich die operation nordkap erfolgreich gemeistert zu haben!

um 6.15 montag frueh ging unsere faehre ueber hammerfest nach øksfjord. von da aus fuhren wir wieder mit dem fahrrad. nach 2 schweren bergetappen sind wir gerade in storslett angekommen. unser einziges ziel fuer heute ist es, eine preiswerte unterkunft zu finden um das deutschlandspiel zu schauen.

fuer die restlichen reichlich 50 tage haben wir uns eine schoene route ueber norwegen, daenemark und letztendlich wieder deutschland ausgeguckt. bilder und berichte wird es also auch in zukunft geben.

an dieser stelle ein dankeschoen an fahrrad-fritsch in spremberg, der unsere fahrraeder so gut praepariert hat – wir hatten keine einzige panne!

bilder von den tagen vor, waerend und nach der nordkap-etappe:

 

 

 

~~~ …wenn wir so zureuck denken an unsere ueberfahrt nach schweden, ist es umso erstaunlicher wie wir diesen trip gemeistert haben. im hafenwartebereich waren diese 2 top motivierten endzwanziger. in ihren hightech-fahrradanzuegen fragten sie uns wo es denn hingehen soll. auf unsere antwort: „nordkap“ reagierten sie erstaunt, mit misstrauischem blick auf uns. die 2 meinten dass sie erstmal klein anfangen wuerden, eine rundtour von 1500 km ueber goeteborg und kopenhagen. dafuer hatten sie sich bestes material besorgt. hochmoderne carbon-fahrraeder, jeweils mit 2 trinkflaschen ausgestattet und windschnittig wie ein ferrari. ihre fahrradtaschen waren nicht nur wasserfest, mit denen konntest du tauchen gehen! die dinger waren aus feinstem nappaleder gefertigt, fiberglas verstaerkt, teflon-beschichtet und hatten ein fassungsvermoegen wie ein bus. das waren 5-sterne-wohnwagen auf 2 raedern (leicht uebertrieben ausgedrueckt ;-)). die ueberfahrt nach schweden verbrachten die 2 natuerlich in reservierten kabinen, damit sie ausgeruht in  ihr abenteuer starten konnten. wir schliefen auf dem fussboden im fernsehraum…

beim anlegen in trelleborg, im schiffsbauch wo unsere raeder standen und wir uns auf das von-bort-gehen vorbereiteten, erblickten wir 3 andere biker-kollegen. die sahen aus wie eine 2.0-version der ersten beiden. auf ihrem t-shirt stand was von berlin-nordkap… abwertend musterten sie unsere fahrraeder – ein graues second-hand-mountainbike mit quietsche-katze am lenker und ein 16 jahre altes jugendweihe-fahrrad von meinem bruder (in modischem pink und der passenden aufschrift: HERCULES). unsere wasserdurchlaessigen fahrradtaschen, durch muelltueten vor regen geschuetzt, haben wir mit hilfe von spanngummis und lederriemen an unsere raeder montiert. ich glaube wir sahen recht mitleiderregend aus und nur wenige die uns da so gesehen haetten, haetten geglaubt, dass wir es wirklich bin zum nordkap schaffen. wir waren untrainiert und zu diesem zeitpunkt hatten wir noch nicht einmal eine genaue route im kopf. doch genau 5 wochen nach unserem start in spremberg standen wir nach 3181 km wirklich am noerdlichsten punkt europas – dem nordkap… und das ganze durch reine muskelkraft *HUARGH* ~~~

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